Overdrive vs. PreAmp

Autor: Stefan Hüther


Versuch einer Klarstellung

Grundsätzliches:

Um ein elektrisches Audiosignal hörbar zu machen braucht es in der Regel einen Kleinsignalverstärker.
Verstärker bestehen vereinfacht gesagt aus zwei Stufen, dem Vorverstärker (im weiteren Preamp genannt) und dem nachgeschaltetem Leistungsverstärker. Der Preamp hebt das Signal auf einen Pegel an, der ausreichend ist um den nachfolgenden Leistungsverstärker (auch Endstufe genannt) entsprechend auszusteuern. Dieser gibt das Signal dann an ein Lautsprechersystem weiter.
Wenn wir uns das vor Augen halten, dann kann man im Prinzip jede Gerätschaft, die das Kleinsignal auf den nötigen Pegel zur Aussteuerung der Endstufe anhebt, als Vorverstärker bzw. Preamp bezeichnen... soweit die Theorie.

Ein ganz einfaches Verstärkungssystem könnte also im Prinzip aus Preamp, Poweramp und einem in der Kette befindlichen Lautstärkeregler sowie Lautsprecher bestehen.
Wenn man sich also in dem von uns gewünschten Bereich der E-Gitarren / E-Bass Verstärkung umsieht, dann waren die ersten Verstärker tatsächlich nicht viel mehr. Es gab ein Lautstärke- und ein Tonepoti und das reichte.
Im Lauf der Zeit wollte man den Klang formen und somit wurden die Vorverstärker (Preamps) um eine Klangregelung (korrekter Begriff wäre Klangsteller) sowie zusätzliche Pegelsteller (Gainpotis) erweitert. Um noch mehr Flexibilität zu erreichen, hat man schließlich Amps entwickelt, die kaskadiert waren (2 Vorstufen werden nacheinander geschaltet). Als auch das nicht mehr genug war, kamen mehrkanalige Amps ins Spiel.
Das ist der Punkt an dem ich ansetzen will:
Ein mehrkanaliger Amp besteht entweder aus einem (intern divers geschalteten) Preamp oder aus mehreren Preamps, die einen gemeinsamen Poweramp speisen.
Auch bei diesen Konzepten übernimmt der Preamp immer die Aufgabe der Vorverstärkung. Soweit sollte die grundsätzliche Funktion eines Preamps nun klar sein.

Wirrwarr:

Was ist nun der Unterschied zwischen einem Overdrive und einem Preamp-Pedal?

Wenn wir der Einfachheit halber davon ausgehen, dass beide Pedale einen genügend hohen Pegel erzeugen um einen Poweramp entsprechend auszusteuern, dann ist auch der Overdrive ein Preamp. Ob das Pedal einen cleanen oder einen verzerrten Sound erzeugt, spielt dabei keine Rolle. Die Vorstufen (Preamps) z.B. der Mesa Mark Serie sind nichts anderes als mit Röhren aufgebaute Overdrive/Distortionsysteme.

Mögliche Gründe für die herstellerseitige Bezeichnung eines Pedals als Preamps sehe ich wie folgt:

  • Verschiedene Preamps können in Kombination mit einem Switcher und einer Endstufe zum „Wunschamp“ werden. Wünscht man sich z.B. klassische Sounds in Kombinationen die es in fertigen Amps nicht gibt, so ist das auf diese Art realisierbar
  • Man möchte aufzeigen, dass das Gerät die tonalen Eigenschaften eines bestimmten Amps (und dessen Preamps) hat, siehe z.B. BB Preamp (Bluesbreaker)
  • Marketingtechnisch möchte man eine höhere Wertigkeit des Produktes vermitteln
  • Das Pedal ist tatsächlich eine Adaptierung des Preamps eines existierenden Amps in Pedalform

Alles schön und gut, aber woran mache ich jetzt fest was nun was ist?

Ich würde mich da hauptsächlich am Anwendungszweck orientieren. Für mich persönlich (für jemand anderen mag das nicht gelten) braucht ein Preamp, damit er als solches genannt werden kann, zwingend eine Klangregelung sowie ein Gainpoti. Insofern orientiere ich mich da an den Kanalzügen eines Mehrkanalamps. Die Fähigkeit eine Endstufe anzusteuern gehört für mich weiterhin dazu (wobei die meisten da wohl den FX Return ihres Amps anstatt einer separaten Endstufe verwenden werden).
Mir ist auch klar, dass es Gitarristen gibt die sagen, wozu ne Klangregelung?
Tonpoti an der Gitarre und ein Tonregler am Amp, das reicht. Das mag für seinen Anwendungszweck ok sein, aber für einen anderen Gitarristen völlig unzureichend.

So what?

Der Begriff „PreAmp“ ist nicht geschützt und hält daher neben seiner eigentlichen Eigenschaft wohl auch oft genug zu Marketingzwecken her, deshalb kommst du wohl nicht drum herum, dir eigene Gedanken zu machen:
Für welchen Anwendungszweck benutzt du das Pedal, kommt es vor dem Amp oder in der Loop, oder bringst du es gar mittels 4-Kabel-Methode in die Kette?
Wer sich tiefer mit der Materie befassen will dem seien die Racksysteme der 80er als Inspiration empfohlen. Vieles was damals 19“ war, ist heutzutage in Pedalform auferstanden. Man hatte damals zum Teil zig Preamps im Rack und diese mit Mischern oder Switchingsystemen auf entsprechende Endstufen nebst Peripherie geschaltet.
So weit entfernt von heutigen Pedalboards ist das gar nicht.

Nachwort

Ich hoffe das hat ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht, wer Fragen hat, darf mich gern löchern. Ansonsten lerne auch ich gern hinzu, nobody is perfect!
Bitte aber dabei die Kniebohrmaschinen aussen vor lassen...

Stefan Hüther - Redstuff Amplification

overdrive versus preamp - Bericht von Stefan Hüther




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