KMA Audio Machines im Interview

Interview mit Enrico Preuß

Gegründet vor 5 Jahren, ist KMA Audio Machines heute einer der gefragtesten Hersteller Deutschlands für Effektpedale. Enrico, der Gründer von KMA, hat sich etwas Zeit genommen, mit uns gesprochen und ein paar Details verraten.

 

Über mich

Moin Enrico, erzähl uns was von Dir.
Hallo Freunde der Sonne! Ich bin Enrico, konntet ihr euch ja denken. Geboren in Mecklenburg-Vorpommern – ziemlich oft umgezogen – und vor 13 Jahren dann in Berlin gestrandet. Ich bin 174cm groß, hab nen BMI von 24,5 und meist nen Blutdruck um die 120 zu 80. Was mich ausmacht? Fragt mich lieber, was mich anmacht :-)

Bist Du selbst aktiver Musiker? Was machst du für Musik?
Mittlerweile bin ich leider nicht mehr so aktiv im Muckebereich. Unsere Band ist vor 1½ Jahren in den Winterschlaf gegangen, aus unterschiedlichsten Gründen. Material für ne dritte Platte ist aber noch da und wer weiß, ob wir daraus noch ne letzte Studio-Scheibe machen.
Stilistisch ist da alles dabei zwischen Psychedelic/Stoner/Doom/Punk/HC/Pop/Prog/Ambient usw. Wir sind da sehr eklektisch und immer offen für Neues.

Wie bist Du darauf gekommen Pedale zu bauen?
Das ist eine klassische Geschichte glaube ich. Als ich damals in meine neue Band kam, brauchte ich neues Equipment. Als armer hart schuftender Studi hatte ich aber dennoch wenig Kohle für neue Sachen über, also ging das immer so Stück für Stück. Nachdem ich einiges ausprobiert hatte und es nie wirklich passte, habe ich dann angefangen mir Kits zu bestellen um ein wenig zu Basteln und zu sehen, was ich wie machen muss, dass es eben passt. Also bei Musikding bestellt und dann musste drei Wochen auf das Kit warten (fand ich überhaupt nicht schlimm). In der Wartezeit hatte ich mal geschaut, was es so gibt an Schaltplänen und wie man am besten anfängt. Dabei bin ich dann auf die tagboardeffectslayout Website gestoßen. Und ZACK, da warste dann drin in der Zone. Naja und seit dem baue ich Pedale. Müsste jetzt so 7 Jahre her sein, 5 Jahre bauen wir als KMA.


Meine Marke

Deine Marke heißt KMA Audio Machines. Wie kamst Du auf diesen Namen?
Ich hab in der Zeit, als ich mit dem Pedalbau anfing, in der Karl-Marx-Allee in Berlin gewohnt und musste bei einer Teilebestellung einen Firmennamen angeben, um die Bestellung aufzugeben. Naja und dann hab ich ein wenig rumüberlegt und kam auf KMA als Kürzel für die Strasse und Audio, weil eben Audio, und Machines, weil ich im Studium als Maschinenbauer viel mit Maschinen zu tun hatte. Und machines klingt so geil technich und so hart. Ich mochte die Kombi sehr und blieb dann dabei.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal von KMA Audio Machines?
Hm schwierig. Ich bin nie mit der Überlegung rangegangen, dass ich ein Alleinstellungsmerkmal haben will und darauf den Fokus setze. Viele meiner Freunde und Verwandten sagten immer: „Und, was hebt dich von dem Rest ab und was ist dein Alleinstellungsmerkmal?“ und ich dachte mir immer, was diese dämliche Frage soll. Mit der Zeit hat es sich dann herauskristallisiert: Die Kombination aus unseren Artworks, den durchdachten Features und das Storytelling, macht jedes Pedal zu einem einzigartigen Charakter und gibt ihm eine Seele, mehr als nur eine Maschine und ich glaube die Energie und Hingabe, die wir in die Pedale stecken, egal ob es in der Entwicklung, Ausgestaltung oder Produktion passiert, haucht den Pedalen Leben ein und das geben sie in Form von Inspiration und Kretivität an die Musiker weiter. Das klingt alles esoterisch, aber am Ende des Tages sind es Emotionen, welche wir beim Musik machen oder Hören durchleben und ich glaube hier liegt unser Alleinstellungsmerkmal.

Welche Effekt-Arten gibt es in Deinem Sortiment?
Ach wir haben mittlerweile eine guten Fundus. Angefangen mit einem Dual-Buffer, Germanium Booster über Fuzz-Pedale, Distortions, monophone Octaver über Drive- Pedale bis hin zu verrückten Phasern und Delay/Reverbs.

Baust Du Deine Pedale alleine oder hast Du Hilfe?
Ich habe Hilfe, zum Glück. Paul und Flo sind meine fleißigen Minions die mir helfen bis zu 300 Pedale im Monat fertig zu machen.

Wie lange brauchst Du für ein Pedal vom ersten bis zum letzten Schritt?
Das ist sehr unterschiedlich und kann ich so gar nicht sagen. Der Fuzzly Bear geht ratzfatz, ein Cirrus oder Horizont hingegen braucht viel länger. Ich würde sagen in der Zeit eines Cirrus kann man bestimmt 3 Fuzzly Bears bauen, aber keine Ahnung, ich habs nie gemessen.

Es gibt haufenweise Clone-Pedale auf dem Markt. Habt ihr auch eine Kopie, ein Clone-Pedal eines anderen Pedals in eurem Sortiment?
Also exakte Nachbauten haben wir nicht, davon bin ich kein Fan. Ich hab immer Bock was anzupassen, bzw. zu verbessern. Das kommt wohl auch aus meiner Studienprägung und der wissenschaftlichen Arbeitsweise und dem Effizienzdenken. Außerdem mach ich mir gern die Welt, wie sie mir gefällt, soll heißen – ich passe mir Schaltungen und Sounds die mir im Grunde zusagen dahingehend an, dass ich damit noch mehr anfangen kann. Beispiel ist der Dead Stag, grundsätzlich ist es ein stark modifizierter Big Muff. Ich fand das Tone-Stack schon immer scheiße beim Muff. Also aktiver EQ rein für drei Bänder und damit hatte ich einen sau flexiblen Muff-Sound. Das was ich brauchte und wollte zu der Zeit.

Deine Pedale heißen LOGAN, QUEEQUEG oder CIRRUS. Wer denkt sich diese abgefahrenen Namen für Deine Effekte aus?
Ach das ist wie einen Songtitel finden für das neue Album. Das ist wie ein großes Assoziationsspiel. Nur findet das meistens erstmal in meinem Kopf statt den ganzen Tag, sobald es um eine Namensfindung geht. Zur gleichen Zeit bastle ich mir die Story zusammen, sodass die Pedalhauptfunktion, der Name und das Artwork ein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Sobald die erste Rohidee steht, geht es in den Diskurs mit Paul und den Jungs vom Vertrieb auch manchmal und mit Freunden. Am Ende des Tages ist es ein Werk Aller. CIRRUS zum Beispiel kam durch Stefan (Stefan Fast aka The Pedal Zone) zustande.


Persönliches

Gibt es Pedale anderer Hersteller, die Dich beeinflusst haben?
Ja da gibt es bestimmt so einige, nur hab ich viele mittlerweile wieder vergessen. Damals ganz früher wollte ich immer ein Line6 DL4, nen Roland Tape-Echo und Mutron Bi-Phase haben. Das war noch zu Zeiten, bevor ich mit dem Pedalbau angefangen habe. Später als aktiver Musiker habe ich mich dann in die Whammys von DigiTech verliebt und alle anderen Arten von Synth-Pedalen. Dabei haben mich der Meris Enzo und die Hologram Electronics-Sachen am meisten geflasht.
Ich bin auch ein großer Fan der damaligen Pearl-Sound Spice Serie aus dern 80ern, dessen Octaver, Phaser und Chorus wahre Goldschätze sind. Ebenso die damaligen Marshall-Zerren um den Shredmaster, Drive Master und den Bluesbreaker, welche ich mittlerweile auch schon in der Sammlung habe. Und das wäre dann der aktuelle Status meiner Pedalleidenschaft – Sammeln!

Welches Pedal eines anderen Herstellers würdest Du auf die einsame Insel mitnehmen?
Harte Frage: Ich glaube das alte röhrengetriebene Multifx Pedal von Ibanez mit Tubescreamer (den ich nicht mag), ne Röhrenzerre a la Tube King, nen digitales Delay und einen geilen Chorus. Das ganze muss aber dann in nen VOX AC30 mit Hall und Tremolo gehen! Dann bin ich glücklich.

Womit verbringst Du neben Musik und Pedalen Deine weitere Zeit?
Ich hab mittlerweile mein drittes Fahrrad in der Garage und gurke damit gern in der Stadt rum. Das macht den Kopf frei und hält fit. Ansonsten mach ich seit einigen Monaten Yoga als Stressausgleich und versuche, wenn ich es schaffe einfach rauszukommen aus der Stadt.

Welchen Musiker/welche Band magst Du besonders?
Schon wieder so eine Frage, sehr viele viele. Meine Jugendhelden waren Thrice, Brand New, At the Drive-In, The Mars Voltar und Gallows. Also verkopfte Musik als auch gern “In die Fresse” Musik. Momentan bin ich wieder bei Roots-Musik angekommen, komme aber gern immer wieder zurück in die 90/2000er Alternative Zeit – Beste Produktionen!

Was wärst Du geworden, wenn Du keine Pedale bauen würdest?
Ich vermute ich wäre in die Klimaforschung und Meteorologie eingestiegen oder wäre nach Österreich oder in die Schweiz gegangen um an regenerativen Energien zu forschen (Ich bin auf Strömungsmechanik und Numerik spezialisiert gewesen im Studium).
Hätte ich damals kein Latinum benötigt, wäre ich aber wohl Archäologe geworden.

Was macht Dir an Deinem Job am meisten Spaß?
Die glücklichen und freudigen Gesichter der Musiker, wenn sie unsere Pedale spielen und sich immer wieder neu verlieben.

Was wünschst Du Dir für Deine Zukunft?
Das jeder mal den Kopf anstellt und sich darum kümmert, dass unsere Nachfolgegenerationen auch noch etwas von diesem Planeten haben. Das endlich diese tiefe Spaltung in Religion, Ethnie, Herkunft, Hautfarbe usw ein Ende findet und wir uns alle auf Augenhöhe begegnen, egal ob reich, arm, jung, alt usw. Das brauchen wir für unserer aller Zukunft!


Marketing & soziale Medien

Wie viel Zeit verbringst Du in den sozialen Medien, welche Plattformen nutzt Du bevorzugt und welche Rolle spielen die sozialen Medien im Bezug auf Deine Marke für Dich?
Vielleicht eine Stunde circa täglich und am Wochenende mal gern ein bisschen mehr. Wir sind ja in einer schnelllebigen Branche und Zeit unterwegs, da muss man am Ball leiben.
Nutzen tun wir eigentlich nur Instagram und Facebook. Dank Facebook und Instagram sind viele Menschen auf uns aufmerksam geworden, ich glaube ohne diese Medien wären wir eventuell noch nicht da wo wir gerade sind.

Du bist schon sehr lange als Pedalbauer Mitglied in der PEDALBOARD-Gruppe. Würdest Du sagen, dass die PEDALBOARD-Community Dir bei deinem Werdegang in irgendeiner Weise genutzt hat?
Also die Community hat uns auf jeden Fall einiges gebracht. Viele Freunde und Bekannte, viele Kontakte die sich sonst vielleicht nie ergeben hätten. Zum anderen war die Gruppe ein super Sprungbrett für uns und dafür möchte ich mich nochmal demütigst bedanken!

Was liegt dir noch auf dem Herzen?
Ach gerade nüscht so. Es ist Sonntagabend 23 Uhr. Ich hab Bock auf eine Limo und noch einen schönen Film. Morgen geht’s wieder ran an die Arbeit!
Achso! Leute da draussen, passt auf euch auf, bleibt gesund und tragt eure Masken und hört nicht auf die Vollpfosten mit ihren Aluhüten und Coronaverharmlosenden Menschen!

Bleib Du ebenfalls gesund und vielen Dank für deine Zeit, Enrico. Alles Gute.




 

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