Geschichte des TubeScreamers

Autor: Holle Humbuck

Der Ibanez Tube Screamer ist wohl eines der bekanntesten und meistgenutzten Overdrive-Pedale. Nicht nur große Gitarrenhelden wie Stevie Ray Vaughan, Joe Bonamassa, Eric Clapton, Carlos Santana oder The Edge waren vom Klang des Pedals beeindruckt, welches Ende der 70er Jahre von einem gewissen S. Tamura in Japan entworfen wurde. Das Besondere am TubeScreamer sind die subtil ansprechenden Eigenschaften, die er bei der Interaktion mit einem Röhrenverstärker hervorruft, er fährt diesen nochmal richtig in die Sättigung und bringt ihn zum singen. Allerdings kann der TubeScreamer auch clean bis crunchy, wodurch dieser Bodentreter in durchaus allen Musikrichtungen universell einsetzbar ist.


Aller Anfang ist schwer

Gitarreneffekte, vor allem Overdrive- und Distortion-Pedale – fanden Mitte der 60er Jahre ihren Weg auf die Pedalbretter angesagter Musikgrößen, angeheizt durch Bands wie die Rolling Stones, Beatles, Cream und natürlich Jimi Hendrix.
Pedale wurden schnell zu einer kostengünstigten Möglichkeiten, um spannende neue Klänge zu erzeugen, die den heute bekannten Rock'n'Roll prägten. In den späten 60er Jahren wurde der Markt mit tragbaren Geräten zur Klangmodifizierung überflutet und Effekte wurden in der Pop- und Rockmusik alltäglich.

Mitte der 1970er nahm die Firma Ibanez, eine Tochtergesellschaft des Musikinstrumente-Herstellers Hoshino Gakki, Effektpedale in ihr Sortiment auf und wurde von der Firma Nisshin beliefert, die auch die Tonabnehmer für einige Ibanez-Gitarren herstellte. In einer merkwürdigen Geschäftsvereinbarung durfte Nisshin seine eigenen Effektlinien vermarkten, die mit denen für Ibanez identisch waren, nur wurden sie unter dem Markennamen Maxon verkauft. Hoshino erwarb für sein Label Ibanez die Rechte an der von Tamura (Maxon) entworfenen Schaltung und brachte 1979 das Pedal unter dem Namen Tube Screamer TS-808 auf den Markt, welches später unter anderem von Stevie Ray Vaughan populär gemacht wurde.
Laut dem ehemaligen Ibanez-Produktmanager John Lomas produzierte Roland - ein bedeutender japanischer Konkurrent - bei der Entwicklung des Tube Screamer den Boss OD-1 OverDrive und hatte bereits ein Patent für asymmetrisches Festkörper-Clipping. Dies veranlasste Nisshin, im Tube Screamer symmetrisches Clipping zu verwenden.
Der TS808 unterschied sich vom OD-1 auch darin, dass er über eine Tonsteuerung, einen gemeinsamen IC-Chip (JRC 4558D) und einen kleinen rechteckigen Fußschalter verfügte. Viele Musiker behaupten, dass der berühmte Mitten-Sound des TS-808 mit eben genau diesem Chip zu tun hat und deshalb auch heute noch TubeScreamer-Modelle mit diesem „originalen“ Chip sehr gefragt sind.


Weiterentwicklung

ts9Der TS808 ist und bleibt wohl der heilige Gral unter den TubeScreamern, allerdings legte Ibanez stets mit neuen Stompboxen nach.
So zum Beispiel folgte 1982 die 9er Serie mit dem TubeScreamer TS-9, der etwas heller und weniger weich klang als sein Vorgänger. Ansonsten waren die beiden im Inneren fast identisch, abgesehen von der erweiterten Leistung des TS9. Auch der Fußschalter wurde größer. Die Pedale der 9er Serie hatten einen Fußschalter, der ungefähr ein Drittel des Pedals einnahm, hier erkennt man eine wohl gern übernommene Eigenschaft von den BOSS-Pedalen.
Ein Nachteil des neuen Tube Screamer war, laut dem ehemaligen Ibanez-Produktmanager John Lomas, dass die Bauteile des TS-9 nicht speziell, sondern zufällig ausgesucht wurden, denn zu der Zeit waren Bauteile rar und es wurde eben das genommen, was gerade günstig verfügbar war. Dies führte dazu, dass der Ton von Charge zu Charge stark variierte, weshalb man die Produktion 1984 wieder einstellte und kurzzeitig den Super Tube Screamer ST-9 herausbrachte, der jedoch nur in Europa, nicht aber in den USA zu kaufen war und deshalb heute zu einem seltenen Liebhaberstück geworden ist.
Ibanez brachte 1985 eine neue Serie heraus, die Master-Serie, mit dem Super Tube STL, der offiziell kein TubeScreamer war, jedoch dessen Schaltung innehatte, der bereits ein Jahr später jedoch wieder aus dem Sortiment genommen wurde.
1986 bis 1993 veröffentlichte Ibanez die farbenfrohe Power-Serie, auch bekannt als 10er-Serie, deren neuer TS-10 mit leiseren Schaltkreisen ausgestattet war, welche die Nebengeräusche reduzieren sollten. Diese Änderungen wirkten sich jedoch auf den typischen Sound des Pedals aus und der TS-10 wurde nicht so gut aufgenommen, wie Hoshino sich das erhofft hatte.
1991 brachte Ibanez die Soundtank-Serie auf den Markt. Der darin enthaltene TS-5 Tube Screamer sollte es schaffen, den Klang älterer Vintage-Geräte zu kopieren, trotz günstigerer Komponenten und optimierten Herstellungstechniken. Ebenfalls verzichtete Ibanez hier auf das Metallgehäuse und kleidete den TS-5 in einem Kunststoffgehäuse. Da half es auch nicht, dass der TS-5 eine zum TS-9 vergleichbare Schaltung innehatte, der erhoffte Erfolg blieb aus und so wurde die Serei 1998 wieder eingestellt.


Back to the roots

Vielleicht war die Wiederbelebung des TS9 unvermeidlich, zumindest haben wir es Ibanez´ Produktmanager John Lomas zu verdanken, der 1992 auf eine Neuauflage des TS9 bestand. Man sagt, dass Lomas und seine Kollegen jeden originalen TS9 gekauft haben, den sie in die Hände bekommen konnten, um sicherzustellen, dass die anstehende Neuauflage eine exakte Nachbildung war. Als sie die Pedale untersuchten, stellten sie fest, dass fast jeder mit einem Toshiba TA75558 IC-Chip versehen war, eine Weiterentwicklung des 4558D, und dieser auch im Reissue Anwendung finden sollte. 2002 trennte sich Ibanez vom Hersteller Maxon und ließ das Gerät unter eigenem Label fertigen. Auch heute wird der TS-9 Reissue noch gebaut.
Mit dem Erfolg der Neuauflage des TS-9 schien der TS-9DX Turbo Tube Screamer ein Kinderspiel zu sein, der 1998 auf den Markt kam. Dieser war für Gitarristen entworfen worden, die mehr Lautstärke, Verzerrung und Low-End wollten. Er hat die identische Schaltung wie der TS-9, zusätzlich zu den Tube Screamer typischen Reglern für Drive-, Tone- und Level, gab es jedoch einen zusätzlichen Mode-Regler für zusätzliche Modi, welche Lautstärke und Bässe in drei Stufen anheben.
ts7special

Immer weiter voran

tsnuIn den Jahren danach kam der Tube Screamer mit neuen Editionen daher, wie beispielsweise im Jahr 2000 mit dem TS-7 Tone-Lok, der im Silber-Look leider nur noch als seltene Special-Edition in grün optisch an einen Tube Screamer erinnert.
Anfang 2004 entschloss sich Ibanez dann dazu, den „Originalen“ TS-808 neu aufzulegen inklusive des bekannten Chip des Typs JRC4558D – mit dem entsprechendem klanglichen Ergebnis. Auch dieses Pedal wird heute noch hergestellt und verkauft und ist ebebfalls als handwired-Version verfügbar.
Es folgten weitere Tube Screamer wie der TS-9B, der ersten Tube Screamer für den Bass, der TS-808DX, ein Doppelpedal mit Booster, der TS-Mini sowie 2018 der Nu Tubescreamer, der seine Verzerrung nicht aus Dioden erzeugt, sondern aus neuartigen NuTube-Röhren, die vom Hersteller KORG entwickelt wurden. Zum 40jährigen Geburtstag des Tube Screamers gab es dann in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls japanischen Edelpedalhersteller Vemuran ein Jubiläumspedal mit dem Namen TSV-808, welches jedoch nur in begrenzter Stückzahl hergestellt wurde.


Kopien

badmWas gut ist wird kopiert, das war schon immer so und wird wohl auch weiterhin so gemacht.
Wir haben die Mitglieder der PEDALBOARD-Gruppe nach ihren liebsten TubeScreamer-Kopien befragt und auf den vorderen Plätzen landeten mit Abstand der Maxon OD808 sowie der Digitech Bad Monkey, der leider seit einigen Jahren nicht mehr neu zu haben ist. Genannt wurden außerdem als gute Alternative neben einigen anderen Pedalen der BOSS SD-1, der Plumes von EQD sowie das Rodenberg GAS 808 (Stand: 20.08.2020).

Tja, der Tube Screamer hat also eine sehr lange Tradition und trotz der vielen Variationen dieses einschlägigen Pedals bin ich sicher, dass dies nicht die einzigen Stompboxes bleiben werden und Ibanez uns sicher weiterhin mit neuen Entwicklungen des grünen Riesen überraschen wird.


Modelle:

ibanez tubescreamer year history

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