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Ringmodulatoren

Veröffentlicht: Freitag, 03. April 2020

Autor: Gábor Qtron

Voll auf- und abgedreht. FX-Fun mit Ring-Modulatoren-Klan(g)

Um es vorweg zu nehmen. Ringmodulatoren als Bodentreter entfalten ihr Potential am Besten bei dem – jetzt kommt´s – afrikanischen Instrument namens Kalimba. Booom!
Die Kalimba gehört zu den Lamellophonen, das sind Instrumente mit Lamellen, die durch Zupfen gespielt werden. Die Obertöne einer gezupften Lamelle verleihen der Kalimba einen charakteristischen Klang. Wenn eine Lamelle gezupft wird, erzeugen die benachbarten Lamellen auch Sekundärschwingungen, die die harmonische Komplexität einer einzelnen Note erhöhen. Jetzt wird die Black-Metall-Krautrouladen-Rock-Fraktion genervt mit den Augen rollen. Halt! Das Beste gibt’s zuletzt, wenn ich auf die Kombination Ringmodulator mit Fuzz, Overdrive oder Distortion eingehe.
Beim Ringmodulator (RM) entspricht das Ausgangssignal der Summe und der Differenz der beiden Eingangssignale.Somit enthält das Ausgangssignal aber nicht die ursprünglichen Eingangssignale. In den RM-Pedalen befinden sich immer zwei VCOs (=Voltage Controlled Oscillator = spannungsgesteuerter Oszillator). Also kein Wunder dass der Ringmodulator besonders bei der Kalimba einschlägt, denn seine generieren von glockenähnlichen Klängen passt hierzu wunderbar. Ringmodulatore sind zweifellos ein One-Trick-Pony-Effekt. Aus diesem Grund wird diese Schaltung häufig in Verbindung mit anderen Schaltkreisen vorgestellt, die sie integrieren und bereichern. Wie im richtigen Leben ist auch beim RM-Pedal Differenzierung angesagt. Man kann die verschieden Typen der RMen in diese 5 Kategorien zusammenfassen (natürlich sind auch andere Kategorisierungen möglich, z.B. Komplexität, Modernität oder Preis): Bei dieser Auflistung sind auch Pedale dabei, die nicht mehr oder nur sehr schwer noch als Neuware erhältlich sind):

I. KLASSISCHE RMen:

Electro Harmonix - Frequency Analyzer, Moog - Minifooger MF Ring V2, Recovery Effects - Motormatic Granular Ring Modulator, Burford Electronics - Robot, Montreal Assembly – Puhzing

II. MODERNE RMen

Subdecay - Vitruvian Mod, Pigtronix – Ringmaster, Last Gasp Art Labs - Sick Pitch King Jr., Wilson Effects - Mycelium

III. KLASSISCHE RMen MIT INTERGRIERTEM DISTORTION

DigiTech DOD – Gonkulator,HEXE GE – The Carrier, Lastgasp Art Laboratories - Toxic Plant (der ist wirklich ziemlich toxisch), F-Pedals - RobotHolic Ring Modulator

IV. RMen MIT STEP SEQUENCER

ZVEX Ringtone TT, ZVEX Effects Super Ringtone (ZVEX – war ja klar ;-) )

V. RMen MIT EXTRA EFFEKTEN UND FEATURES

Electro Harmonix - Ring Thing, Moog – MF 102 Moogerfooger, Fairfield Circuitry – Randy’s Revenge, Adventure Audio - Outer Rings, Way-Huge-Ringworm, Dwarfcraft Devices - HAX 2, Lovetone - Ring Stinger

Hierbei möchte ich den Moog Moogerfooger MF-102 Ring Modulator aufgrund seiner sehr vielseitigen Möglichkeiten hervorheben. Glockenartige Töne, Tremolo, spaciges Gewaber , Raumfahrzeuge von bewarzten Aliens und andere Sounds sind mit nur wenigen Drehknöpfen intuitiv generierbar.
Natürlich möchte ich den großartigen Herrn Zachary Vex, der den ebenfalls großartigen Mike Matthews von Electro Harmonix in nichts nachsteht, erwähnen. Sein RM-Sequenzer ist einzigartig und hat sogar Tap-Tempo on board.
Er erzeugt rhythmische Änderungen an der Ring-Mod-Einstellung sowie eine große Bandbreite Reihe wirklich nie gehörten Sounds: Von der automatischen Telefonwahl bis zum konfusen Robotergeplapper.

Ich persönlich bin mehr oder weniger zufällig zum Gongkulator von DOD gekommen – gabs bei G4M im Angebot – war halt so. Man kann einem RMen kaum einen besseren Namen als Gongkulator geben! Vielleicht hat die Namensgebung ja auch mein Kaufverhalten beeinflusst. Wobei dieser zu den eher radikaleren und altmodischen seiner Zunft gehört (seine Kollegen von MOOG gehen da schon ein wenig sensibler zur Sache). Ring-Modulator, E-Gitarre plus weitere FX-Effekte.

Ich entführe mal einen Begriff aus der Geometrie bzw. aus dem CAD-Modelling in die Klangwelten: Boolesche Operationen. Von den 3 Boolesche Operationen, die da wären: Vereinigung, Differenz, Durchschnitt, schnappe ich mir die erste, die „Vereinigung“ und werde diese auf akustischer Ebene durchführen. Hier also einige Anregungen zum Experimentieren, die den ein oder anderen vielleicht neugierig machen könnten.

I. DING GONG („Swellig“)

Zunächst habe meinen Gonkulator mit einem Attack/Decay-Pedal verkuppelt bzw. verkoppelt – hierbei habe ich den EHX- Attack/Decay eingesetzt. Wunderschöne, glockenähnliche Anschwell-Effekte erzielt man bei aufgeweitetem Attack – schon lange Anschwellzeiten. Man kann auch wahlweise ein E-Bow nehmen. Klingt schon abgefahren. Veredelt wird dann das Ganze mit Reverb und/oder Delay.

II. PHASIGER RAUMKLANG

Kombiniert mit einem (oder am besten zwei) Phaser, besonders bei einer hochdosigen Einstellung, lässt sich, tendenziell disharmonischer, Sphären-Klang erzeugen. Bei mir waren von EHX der Small Stone sowie der Phase Shifter PH-3 von Boss. Beim letzteren ist folgende Einstellung besonders vorteilhaft: Stage: Step, Rate+Depth+Res: Alle auf 3 Uhr. Als i-Tüpfelchen: dahinter einen kernigen Fuzz à la EHX - Green Russian Big Muff.

III. TREMO-LOGIK

Rhytmisch wird’s mit dem Tremolo. Hier habe ich das Pipeline von TCelectronic genommen, und mich erdreistet das Ganze mit ´nem coolen Delay zu verquicken. Das war bei mir das Obscura von Digitech - im Tape Modus (Bandecho). Natürlich bekommt so einen Sound in der Richtung auch mit dem MOOG oder vielleicht sogar SUBDECAY Vitruvian Mo hin.

IV. ENVELOP-IG FUNKIG

Mit der Kombi Envelop-Filter-Pedal + RM bewegt man sich tendenziell – aber wirklich nur tendenziell - in die (Free)-Funk-Ecke. Hängt von der Einstellung bzgl. „ Wasserblasenhaften Blubbern“ des EF ab. Ob sich der RM vor oder nach dem EF befindet, ist letztendlich Geschmacksache. Ich habe hierzu den EHX - QTron Plus genommen. Wichtig ist hierbei, das der Q-Tron wohl dosiert angeblasen wird – hierzu eignet sich besonders gut der TCE-Mini-Booster Spark.

V. HARMO-NIE

Zusätzliche Töne geben dem RM eine zusätzliche Dimension – es klingt bombastisch. Besonders wenn „bassige“ Zusatz-Töne generiert werden. Zum Beispiel ist der Gongkulator mit BOSS-Harmonist PS-6 von BOSS ist ein Traum. Empfehlung: Den Harmonist oder einen anderen Zusatzton-Generator nach dem RM setzen.

VI. DOOM-IG

Mit heruntergestimmter Gitarre oder am besten gleich mit dem Bass betritt man eher ein doomiges Klangparadies. Hier meine Empfehlung: Mit dem E-Bow oder dem Attack/Decay den Ton „answellen“. Sehr gut lässt sich hier zum Beispiel auch mit Tremolo und/oder Delay arbeiten.

VII. VOLL AUF DIE GLOCKE

Jetzt geht’s los! Ultimativer „Krach“ ist angesagt! Ich habe mit diversen Effekten, dem EHX Green Russian Big Muff Fuzz, dem EHX Cock Fight /Fuzz sowie dem TCE Mojo Mojo, herumexperimentiert und herzerfrischende Resultate erzielt. Natürlich gibt’s auch RMen mit EXP-Eingang wie den WAY HUGE – Ringworm oder der DWARCRAFT DEVICES - HAX2, der aber leider kaum noch als Neuware zu kriegen ist. Da lässt dann eine Akzentuierung Richtung „noisy“ zu – oder umgekehrt. Die im Gonkulator integrierte Distortion kann man auch benutzen, besonders in niederen Frequenzbereich klingt er gar nicht mal so schlecht – aber er ist schon ein kleiner Herr Rauscher.

Ich hoffe Euch hat der Artikel genauso viel Spass beim lesen gemacht, wie mir beim schreiben. Natürlich habe ich auch diverse andere Instrumente mit dem Gongkulator verquickt – aber über diese geheimnisvollen Klangwelten werden ich zu einem anderen Zeitpunkt berichten. Ich kann aber momentan nur jedem Mucker sagen: Auf zu neuen Klang-Ufern!


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